Aller Anfang ist schwer

von Ilona Bubeck //

Foto (c) Ilona Bubeck

Foto (c) Ilona Bubeck

Tatsächlich scheint aller Anfang schwer zu sein. Im Frühjahr 1996 erschien unsere erste Buchproduktion. Wir wollten halbjährlich einen lesbisch-schwulen Titel verwirklichen (was mit der Zeit seltener wurde) und der erste war ein Handbuch zum Internet: Queer-Verbindungen, Lesben und Schwule im Datennetz— damals noch ein absolutes Novum. Mitten in der Entstehung des Titels zerstritten sich die Autorin und der Autor, ich glaube, darüber, wer wie viel und was schreibt und wer kompetenter ist oder auch nicht. Um die Erscheinung zu retten, ging ich mit beiden erst zusammen und dann einzeln essen. Das gemeinsame Essen war etwas verkrampft, aber letztendlich ohne größeren Eklat. Mit dem Autor saß ich dann im teuersten Restaurant Kreuzbergs, dem Abendmahl. Dabei hörte ich mir zwei Stunden (gefühlte zehn) provokante Thesen über Serienmörder, Massenmörder und andere Sadisten an – angeblich war er fasziniert von Menschen, die zu Tätern wurden. Ich wurde immer verspannter, hörte stoisch seinem Wortschwall zu und verstummte immer mehr. Normalerweise hätte ich das Restaurant fluchtartig verlassen, aber so habe ich durchgehalten und immerhin erreicht, dass der Autor weiter arbeitete, mit Pseudonym auf dem Cover steht und der Veröffentlichung letztendlich zustimmte und seine Druckfreigabe erteilte. Der Titel war gerettet, und den Autor habe ich danach nie wieder gesehen!

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Ilona Bubeck ist Mitbegründerin des Querverlags.

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