Unsere Kinder

von Ilona Bubeck //

Um es gleich vorweg zu sagen: Über die vielen Regenbogenkinder freue ich mich sehr, aber ich selbst scheine dieses Kinderwunsch- und Muttergen nicht zu besitzen; zu tief sitzt bei mir noch die feministisch-politische Sozialisation aus Zeiten des „Gebärstreiks“ und der Verweigerung der drei K’s: Kinder, Küche, Kirche!

ABER – ich muss gestehen, auch nach 20 Jahren ist jedes neue Buch wie ein Baby, und jede Produktion ist eine mal mehr, mal weniger schwere Geburt. Von uns beiden durchlebt die Schwangerschaft und Geburt allerdings Jim, ich bekomme die Kids dann erst, wenn sie krabbeln und flügge werden. Aber wie echte Eltern bin ich natürlich an der Planung beteiligt und leide bei so manchen Wehen reichlich mit.

Was aber so gar nicht planbar ist und voller Überraschungen steckt, ist das Verhältnis zu unseren Autor_innen bzw. wie manche Autor_innen das Verhältnis zu uns gestalten. Abgesehen davon, dass wir mit fast allen freundschaftlich verbunden sind – mal mehr, mal weniger –, wurden wir auch schon mal als Eltern adoptiert (siehe z.B. den Beitrag von Antje Wagner).

Foto (c) Marc Lippuner

Foto (c) Marc Lippuner

Besonders auffällig war das bei unserem Autor Holger Zill, von dem wir sein Leben in USA als Pornostar (Wolff – Ein Pornostar packt aus) 1998 veröffentlicht haben. Während der Arbeit am Buch und auch Monate nach Erscheinen kam Holger fast täglich in den Verlag. Immer gut gelaunt, oft mit leckerem Kuchen – die beste Verführung für Jim und mich – und immer mit einer überaus familiären Herzlichkeit.

Da „Wolff“ überall sehr gefragt war und ich unzählige Lesungen – oder besser Auftritte – für ihn organisiert habe, blieb unsere arbeitsintensive Verbindung über mehrere Jahre erhalten. Er kam so oft wie möglich in den Verlag, und wenn er auf Lesetour war, rief er mich täglich an. Manchmal nur so, wie man seine Mutter anruft, um zu berichten, dass alles in Ordnung ist und es einem gut geht. Ich muss gestehen, ich dachte dann: So ist das also, wenn man einen Sohn hat, mit dem man sehr verbunden ist. Noch Jahre danach kam Holger immer mal wieder in den Verlag, und als er nach Amsterdam zog, hat er sich in der ersten Zeit regelmäßig gemeldet. Einmal waren wir sogar zufällig zur gleichen Zeit am gleichen Urlaubsort und hatten auch dort viel Spaß zusammen.

All das ist Jahre her, und außer der Weihnachtsgrüße weiß ich nichts mehr von ihm. Das Jubiläum wäre eine schöne Möglichkeit für ein Wiedersehen, wie es bei Familienfeiern so üblich ist. Eingeladen ist er. Jetzt bin ich gespannt, ob er kommt – was ich mir vom ganzen Herzen wünsche.

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Ilona Bubeck gründete 1995 zusammen mit Jim Baker den Querverlag.

Holger Zill, gebürtiger Düsseldorfer, zog mit 17 Jahren nach Berlin, ging dann in die USA, wo er in vier Jahren über 50 Pornofilme drehte. 1995 kam er zurück nach Deutschland. Im Querverlag erschien 1998 seine (zusammen mit Dirk Ludigs verfasste) Autobiografie Wolff – Ein Pornostar packt aus. Ein Fotoband Wolff – Fotografien folgte. Darüber hinaus erschien 2001 im Querverlag sein Roman Die Verführung von Engeln. Zur Zeit lebt und arbeitet Holger Zill in Amsterdam.

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