Zwischen Trauerfeier und Leichenschmaus

von Andreas Bertram //

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Foto (c) Marc Lippuner

Jim und ich haben uns auf einer Beerdigung kennengelernt. Das ist so zwar nicht ganz richtig, macht aber neugierig und ist ein schöner Anfang, und das ist für einen Romanautor viel wichtiger als die Wahrheit. Eigentlich fing unsere Geschichte schon einige Zeit vorher an, als ich mein Manuskript an den Querverlag schickte und eine nette E-Mail erhielt, in der Jim mich um sechs Monate Geduld bat.

Exakt ein halbes Jahr später rief Jim mich an, um mir zu sagen, dass ihm das Buch gut gefallen habe. Er hatte es auf seinem Balkon gelesen, in den letzten schönen Sommertagen des Jahres 2011 und dazu Bier getrunken, und ich dachte: Das ist die perfekte Art, meinen Roman zu lesen. Anschließend hatte er das Buch Ilona gegeben, die es ebenfalls sehr vergnüglich fand. „Sie sagte, sie hätte ein paar Mal gelacht“, meinte Jim dazu, um nach einer kleinen Pause hinzuzufügen: „Und Ilona lacht nie.“

Ein oder zwei Monate später war Jim wegen einer Beisetzung in München und hatte zwischen Trauerfeier und Leichenschmaus Zeit, mit mir über das Buch zu sprechen. Wir trafen uns in einem Café, Jim trug einen schwarzen Anzug und aß einen Salat, und so habe ich von Anfang an ein falsches Bild von ihm bekommen. Es wurde ein sehr angenehmes Treffen, wir haben eine Menge gelacht und uns so gut verstanden, als würden wir uns schon ewig kennen. Jim erzählte mir sogar eine lustige Anekdote über einen lange zurückliegenden One-Night-Stand, die ich prompt in meiner Fortsetzung untergebracht habe (das ist auch der Grund, warum man einem Autor unter keinen Umständen etwas erzählen sollte, was man nicht später irgendwo lesen möchte).

Die Arbeit an beiden Büchern war äußerst entspannt. Ich habe eine Menge über deutsche Grammatik gelernt und sämtliche Illusionen über die Verlagsbranche verloren, die man als naiver Autor so hegt. Außerdem weiß ich jetzt, dass Buchhändler Kühe weder im Titel noch auf dem Cover mögen, auch wenn ich bis heute noch auf eine Begründung dafür warte. Nur bei zwei Dingen sind Jim und ich uneins: ob man jemanden, der sich töricht anstellt, „Dummie“ oder, wie Jim meint, „Dummy“ nennt und bei der Auswahl des Covers. Die Vorschläge zur Umschlagsgestaltung von Jim („Ich bin kein visueller Mensch!“) sind häufig … sagen wir mal, diskussionswürdig, aber bislang haben wir jedes Mal eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden.

Das letzte Buch ist im vergangenen Jahr erschienen, während ich zeitgleich einen weiteren Roman für einen der großen Verlage vorbereitete. Und obwohl ich auch dort von netten Menschen betreut werde, ist die Zusammenarbeit mit Jim und Ilona und meinem Lektor Dennis Lorenz etwas Besonderes. Der Querverlag ist wie ein Zuhause, und etwas Besseres kann man sich als Autor nicht wünschen.

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Andreas Bertram ist das Pseudonym eines deutschen Autors, unter dem im Querverlag zwei Bücher erschienen sind: Schmeckt wie Urlaub und macht nicht dick (2012) und die Fortsetzung Riecht nach Ärger und weihnachtet sehr (2014). Das nächste Projekt von Andreas Bertram ist Surviving Berlin, ein Drehbuch für eine Kino-Komödie, die 2016 von Ente Kross Film in Berlin gedreht werden soll.

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Eine Antwort zu “Zwischen Trauerfeier und Leichenschmaus

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