Unsere 20 Standardsätze in Briefen bei der Bearbeitung unaufgefordert eingesandter Manuskripte

von Jim Baker //

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Foto (c) Jim Baker

Der Querverlag ist zwar ein kleiner Verlag, doch wir bekommen ca. drei bis fünf unaufgefordert eingesandte Manuskripte jede Woche. Auch wenn Ilona und ich uns vornehmen, einen kritischen Blick auf jedes Exposé und in jedes Probekapitel zu werfen und sie in der monatlichen Programmsitzung zu besprechen, greifen wir in den Briefen an die jeweiligen Autoren und Autorinnen inzwischen auf einige „Standardbausätze“ zurück, die wir abändern, ergänzen und personalisieren.

Hier eine Liste der häufigsten Sätze:

  1. Eingangsbestätigung: „Hiermit bestätigen wir den Erhalt. Wir werden sorgfältig prüfen, ob sich der Text zur Veröffentlichung in unserem Verlagsprogramm eignet. Leider müssen wir Sie jetzt schon darauf hinweisen, dass die Begutachtung einige Monate in Anspruch nehmen wird, denn momentan stapelt sich die Arbeit auf unseren Schreibtischen. Aber zögern Sie nicht, sich nach dem Verbleib des Werks zu erkundigen.“
  2.  Rückporto: „Der Verlag übernimmt keine Haftung für unaufgefordert eingesandte Manuskripte, elektronische Datenträger oder künstlerische Arbeiten. Auf Wunsch schicken wir abgelehnte Werke gern zurück, müssen aber leider angesichts der Menge solcher Sendungen entsprechendes Rückporto verlangen.“
  3. Bitte schriftlich: „Vielen Dank für Ihre eMail. Leider können wir unaufgeforderte Manuskripte nur in schriftlicher Form annehmen. Daher bitten wir um Zusendung eines Exposés sowie eines Probekapitels per Post.“
  4. Bitte Geduld: „Herzlichen Dank für die Erinnerungsmail sowie natürlich auch für Ihre Geduld. Bei zwei MitarbeiterInnen und ca. fünf unaufgefordert eingesandten Manuskripten die Woche kann es leider länger dauern, bis wir die Projekte prüfen können.“
  5. Hetero zurück: „Der Querverlag verlegt Bücher mit lesbischem bzw. schwulem Inhalt. Die kurze Zusammenfassung, die Sie uns freundlicherweise geschickt haben, deutet allerdings keine Themen an, die für unsere Zielgruppe möglicherweise von Interesse sein könnten.“
  6. Keine Übersetzungen: „Der Querverlag hat sich auf die Förderung deutschsprachiger Autoren und Autorinnen spezialisiert und veröffentlicht daher keine Übersetzungen.“
  7. Das gewisse Etwas: „Wir vermissen ganz subjektiv irgendetwas Besonderes, was diesen Roman aus der Masse an Neuerscheinungen hervorhebt. Zwar sind wir der Meinung, dass Sie erzählerisch durchaus das Talent dazu haben, doch leider kam es bei diesem Manuskript unserer Meinung nach nicht zur Geltung.“
  8. Vermochte nicht zu überzeugen: „Zwar fanden wir das Thema überaus spannend und vielversprechend, bedauerlicherweise hat jedoch die Umsetzung uns nicht zu überzeugen vermocht.“
  9. Komme nicht rein: „Leider fanden wir keinen Zugang zu der Handlung.“
  10. Erzählduktus: „Es mag vielleicht Absicht des Autors gewesen sein, aber mich hat der Erzählduktus bedauerlicherweise eher irritiert.“
  11. Verlegerisches Risiko: „Bedauerlicherweise räumen wir dem Projekt nicht genügend Verkaufschancen ein, als dass sich das verlegerische Risiko rechnen würde.“
  12. Nicht dafür entscheiden können: „Inzwischen haben wir einen Blick in Ihr Manuskript werfen können und müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für eine Veröffentlichung nicht entscheiden konnten.“
  13. Pädo: „Wir verlegen grundsätzlich keine Manuskripte, die sexuelle Ausbeutung von Schutzbefohlenen bzw. Minderjährigen verharmlosen.“
  14. Keine Erzählungen/Dissertationen/Lyrik/Theaterstücke: „Leider müssen wir Sie jetzt schon darauf hinweisen, dass sich das Projekt für eine mögliche Veröffentlichung im Querverlag nicht eignet, da wir generell keine Erzählbände/Dissertationen/Lyrik/Theaterstücke verlegen. Im Laufe der vielen Jahre seit Gründung des Verlags haben wir bedauerlicherweise die Erfahrung gemacht, dass sich Erzählbände/Dissertationen/Lyrik nicht ausreichend verkaufen.“
  15. Keine Zweitverwertung: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir bereits erschienene Projekte grundsätzlich nicht auf eine mögliche Veröffentlichung im Querverlag prüfen, da wir unsere knapp bemessenen Programmplätze lieber Erstveröffentlichungen vorbehalten.“
  16. Genre-Literatur: „Bedauerlicherweise konnten wir uns dafür nicht entscheiden, was in erster Linie an etwas Formalem liegt, denn Genre-Literatur – in diesem Fall Zukunftsroman, Dystopie – liegt jenseits dessen, was wir in der Lage sind zu verkaufen. Alle Experimente der letzten Jahre, die außerhalb der „konventionellen“  Lesegewohnheiten lagen, gingen verkaufstechnisch für uns nicht auf.“
  17. Viel Erfolg: „Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der weiteren Verlagssuche.“
  18. Passt nicht ins Programm: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass das Projekt nicht bei uns ins Programm passt.“
  19. Ganzes Manuskript anfordern: „Inzwischen sind wir dazu gekommen, Ihr Manuskript auf eine mögliche Veröffentlichung im Querverlag zu prüfen, und freuen uns sehr, Ihnen schreiben zu können, dass wir von der Leserprobe sehr überzeugt waren und daher um die Zusendung des gesamten Manuskripts (gern per E-Mail) bitten möchten.
  20. Ja, wir wollen! „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir von dem Gesamtmanuskript begeistern waren und Ihr Buchprojekt gern verlegen wollen. Setzen Sie sich doch in den nächsten Tagen mit uns in Verbindung, damit wir ein persönliches Verlagsgespräch vereinbaren können.“

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Jim Baker ist Mitbegründer des Querverlags.

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Eine Antwort zu “Unsere 20 Standardsätze in Briefen bei der Bearbeitung unaufgefordert eingesandter Manuskripte

  1. Pingback: Dem Text beim Runderwerden zuschauen | 20 Jahre Querverlag - Ein Jubiläumsblog·

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