Wie ich dazu kam, die Bibel zu schreiben, und nie mehr im Leben von dem Thema Sex loskommen werde – dank Jim und Ilona!

von Manuela Kay //

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Manuela Kay am Querverlagsstand auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst 2000. Foto (c) Jim Baker

„Ach, mach dich doch nicht lächerlich …“, so meine Freundin im Jahr 1999 auf meine sorgenvolle Frage. „Findest du, ich sollte einen lesbischen Sexratgeber schreiben?“ Sie, die eigentlich sehr sexpositiv war und, wie ich bis dahin dachte, auch voller Vertrauen in meine Kenntnisse, reagierte sehr abweisend. (Kein Wunder, dass wir nicht lange zusammen blieben!)
Kurz zuvor hatten mir Jim und Ilona angetragen, dass sie gern einen lesbischen Sexratgeber im Programm hätten und finden, ich könnte das doch umsetzen. Ich war zunächst unsicher und meine damalige Freundin förderte mein Selbstvertrauen nicht gerade.
Doch dann überlegte ich, dass ich gar kein solches Buch aus dem deutschsprachigen Raum kannte, sondern nur lesbische Sexbücher aus den USA oder Großbritannien. Die Erste mit etwas zu sein, hat mich schon immer gereizt! Mein Glück war natürlich die Fotografin Anja Müller, die ich fragte, ob sie das Projekt mit mir gemeinsam machen wollte. Beim Thema Sex war ich schon immer für Anschauliches und nicht so Theoretisches. Deshalb wollte ich unbedingt eindeutige Fotos in dem Buch haben, damit es nicht zu distanziert oder theoretisch wird. Anja machte mit und wir einigten uns auf je ein Drittel Foto, Theorie und „Schweinkram“, sprich Geschichten, die die jeweilige Sexpraktik literarisch thematisierten.
Mit Autorinnen wie Karen-Susan Fessel, Stephanie Kuhnen, Sarah Diehl, Annette Berr, Regina Nössler und vielen anderen konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Und die sehr schönen, unverklemmten erotischen Schwarzweiß-Fotos hat Anja Müller – für mich unvergessen – zum Teil in meinem Schlafzimmer inszeniert. Eines dieser Fotos hängt noch heute groß neben meinem Bett. Schöner Kommen ist also täglich bei mir.
Übrigens hatte ich zunächst den Titel „Leck mich doch!“ vorgeschlagen. Das fanden Jim und Ilona aber dann doch zu viel des Guten.
Heute kann ich stolz sagen, dass Schöner Kommen das bestverkaufte Buch des Querverlags ist. Dank aller, die daran beteiligt waren: neben der genialen Anja Müller und den kenntnisreichen Autorinnen, nicht zuletzt auch die wunderbaren Fotomodels, die sich sogar in eindeutigen Posen nie genierten, lesbische Sexualität für alle erfahrbar zu machen!
Neulich, als ich in der epochalen und wunderbaren Ausstellung „Homosexualität_en“ im Deutschen Historischen Museum war, stand ich vor einer Wand mit den wichtigsten Büchern der LGBT-Geschichte, die hier „die Bibeln“ genannt wurden. Schöner Kommen ist dabei, was mich unglaublich stolz macht und sehr berührt hat!
Danke an Jim und Ilona für eure wunderbare Idee und an Anja Müller und alle, die mitgeholfen haben, „uns“ ins Museum und hier zu einem Teil deutschen Kulturguts werden zu lassen.

Fazit: Von der Frau von seinerzeit bin ich lange getrennt – und: Ich habe mich nicht lächerlich mit diesem Buch gemacht – im Gegenteil, heute wird es im Museum ausgestellt!

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Manuela Kay, geboren 1964 in Berlin, lebt in Berlin-Kreuzberg. Seit 1986 betreibt sie Journalismus mit Schwerpunkt lesbisch-schwules Leben.Mitautorin und Produzentin diverser Videofilme zum Thema lesbische Sexualität und Porno. Sie war ab 1996 Chefredakteurin des schwullesbischen Magazins Siegessäule und konzipierte 2003 L-MAG. Seit 1. Mai 2012 ist sie Geschäftsführerin des Special Media SDL Verlags, in dem beide Magazine erscheinen. Seit Anfang 2015 ist sie wieder Chefredakteurin des L-MAG.

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