Dem Text beim Runderwerden zuschauen

von Stefanie Zesewitz //

Geschrieben habe ich immer. Seit ich es kann. Damit meine ich Buchstaben zu Worten aneinanderreihen und daraus Sätze machen – mal mehr, mal weniger gehaltvoll.

Irgendwann fand ich, dass ich das gut genug konnte, um über die Disziplin der Kurzgeschichte hinaus meine Romanidee in Angriff zu nehmen. Dass mir mein Literaturwissenschaftsstudium dabei weniger half als die jahrelange Übung für die Schublade, versteht sich von selbst.

Als dieser erste Roman fertig war, ging ich in ein Schreibseminar der Autorin Sofie Cramer und war so aufgeregt beim Vorlesen eines Textauszuges, dass ich gar nicht merkte, dass alle richtig zuhörten! Sofie sagte: „Das Buch ist fertig. Wann verschickst du es endlich?“ Nach diesem Tritt in die Rückseite habe ich das Manuskript verschickt – im Juli 2011 war das. Auch an den Querverlag. Jim antwortete schnell und bat mich, ihm den „Rest“ zu schicken, damit er das Ganze im Florida-Urlaub zu Ende lesen könne. Anfang Dezember – ich hatte an dem Tag einen Mega-Anschiss von meiner damaligen Chefin gekriegt – kam dann der ersehnte Anruf: „Ich würde das Buch gerne mit Dir machen!“.

zesewitz by grabowski

Der Duft von Seide. In Szene gesetzt von Frank Grabowski, einem unsere #quer20_challenge-Gewinner. Ein Klick aufs Bild führt zu seinem Instagram-Account.

Was das genau hieß, vermochte ich nicht zu ahnen. In den sechs Wochen bis zur Drucklegung folgte ein Marathon an Korrekturläufen. So kam es mir zumindest vor. Für Unstimmigkeiten sorgte der Titel. Ich hatte die Datei unter „Victoriana“ abgespeichert – wenig aussagekräftig. Dann bin ich durch eine Mitstreiterin auf „Die Zeitenwandlerin“ gekommen, was Ilona zu der Frage veranlasste „Ist das Science-Fiction?“ Vermutlich wäre ihr selbst das noch lieber gewesen als ein historischer Roman. Aber sie hat es dann doch gelesen und … o Wunder! Sie mochte es! Erschienen ist das Buch dann als „Der Duft von Seide“ und ich glaube inzwischen hat sie ihre historischer-Roman-Phobie vollumfänglich überwunden.

Auf dieses erste Oeuvre folgten bis jetzt noch zwei weitere und ich fühle mich sehr wohl im Querverlag. Jim und Ilona sind einfach ein Dreamteam: Wenn es zwischen Jim und mir mal rauscht im Karton (gern bei Titeln und Coverbildern oder wenn es um Psychologie geht), kann ich mich darauf verlassen, dass mein Telefon klingelt und Ilona ebenso kenntnisreich, wie schlichtend und ausgleichend eingreift, so dass sich alles zum Besten des Buches klärt.

Die Arbeit am Manuskript mit Jim macht in jeder Phase Spaß und der Text profitiert immer davon. Man kann förmlich zuschauen, wie der Text runder wird. Manchmal frage ich mich, wie er es schafft, die Nerven zu behalten, denn ich habe eine offenbar unausrottbare Fehlprägung, die bewirkt, dass ich Kommata an Stellen setze, wo sie einfach nicht hingehören – dafür lasse ich auch großzügig mal welche weg, wo sie klar fehlen (ich sag nur „Wir essen Opa“…). Vielen Dank dafür, Ihr zwei.

//

Stefanie Zesewitz, geboren 1968 in Hamburg, dort aufgewachsen mit vier Generationen knautschiger Hunde, absolvierte hier ihr Studium der Anglistik und Germanistik. Sie legte ein Auslandssemester in Wales ein, bevor sie ihren Magister in der Tasche hatte. Nach beruflichen Aufenthalten in wärmeren Gefilden ist sie 2003 wieder in ihren Heimathafen Hamburg zurückgekehrt und hat ihre final destination gefunden: das Schreiben. Im Querverlag sind die historischen Romane Der Duft von Seide (2012), Wie ein Versprechen (2013) und Donaunebel (2015) erschienen.

Links
Website
Autorinnen-Website beim Querverlag

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s