Ausgerechnet ihr – eine Liebeserklärung

von Corinna Waffender //

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Foto (c) Marc Lippuner

Mein aktuelles Buch im Querverlag ist gerade erschienen. Es heißt „Ausgerechnet sie“. Warum aber ausgerechnet im Querverlag? Ich könnte über dieses Projekt wohl ebenso viel plaudern wie über alle vorangegangenen, aber ich erzähle lieber nach vorn als nach hinten. Also keine Anekdote, sondern etwas, was mir mehr entspricht: eine Liebeserklärung. Und weil ich zu Männern grundsätzlich andere Verhältnisse pflege als zu Frauen, muss ich das mit der Liebe hier zweimal erklären.

Lieber Herr Verleger,

also einfach war das mit uns nicht immer, dafür ist es bis heute nie langweilig. In gewisser Weise erinnerst du mich mit deiner Genauigkeit hinsichtlich der deutschen Sprache an deinen Landsmann Mark Twain – der fand sie allerdings ganz im Gegensatz zu dir „schrecklich“. Dass ich – sollte ich mal keinen Duden zur Hand haben und meine Lektorin gerade beschäftigt sein – ausgerechnet einen Amerikaner konsultiere, dürfte als Beweis für mein Vertrauen in deine Sachkenntnis reichen. Weit mehr jedoch schätze ich deine Leidenschaft für gute Sätze.
Du nimmst das Handwerkszeug der schreibenden Zunft ernst, zwischen den Zeilen zu lesen ist dir vertraut. Wir beide wissen: Auch wenn ein Protagonist in der Geschichte nicht einmal frühstückt, muss ich als Autorin doch wissen, ob er morgens Kaffee oder Tee trinkt. Das ist die Pflicht.
Die Kür, so meine ich, bleibt doch die Sprache. Wenn ich mein Manuskript zum letzten Mal durchgehe, bevor ich es dir überlasse, denke ich bei manchen Absätzen: Das könnte Jim gefallen. Denn ganz ehrlich – deine Anerkennung ist mir mehr wert, als du vielleicht weißt.
Für deinen Lieblingssatz in meinem neuen Buch hast du dich beinahe entschuldigt. Er sei dafür ja eigentlich zu kurz. Ich verstehe trotzdem, warum du ihn ausgesucht hast. Denn, was er ausdrückt, verbindet uns. Es ist vielleicht, bei aller Unterschiedlichkeit, eine gemeinsame Perspektive: „Leo sieht die Welt in Standbildern.“
Deine davon geprägte Art, Text zu betrachten, mag ich wirklich sehr.

Liebe Frau Verlegerin,

wir mochten uns auf den ersten Blick. Zwischen dir und mir ist auch unausgesprochen vieles klar: Was Literatur ist und nicht? Keine Frage. Welche Bücher wichtig sind und welche wir nicht lesen müssen? Versteht sich von selbst. Männer, Frauen und andere? Race, class und gender – auch daran haben wir das Denken gelernt. Politik und Privatheit? Nicht zu trennen.
Und doch gibt es etwas, was ich genau an dieser Stelle sagen möchte, damit es auch alle hören: Du bist wieder mal schuld, dass es ein neues Buch von mir gibt. Denn du lässt mich nicht veröffentlichungsmüde werden – du willst mich nämlich lesen.
Du weißt, was es heißt, wenn das Innen nach Außen drängt. Du verstehst, dass Figuren gesehen werden wollen, dass wir eine Verantwortung haben für das, was wir schaffen – und seien es Produkte unserer Fantasie. Du teilst mit mir die Überzeugung, dass man überhaupt eine braucht und dass es sich lohnt, dafür einzustehen, auch und gerade in Wort und Schrift.
Geld und Ruhm stehen schon deshalb nicht in deinem Fokus, weil der Preis dafür das Schwimmen im Mainstream ist. Du bleibst lieber streitbar und dir selber treu. Das bewundere ich an dir und das ist auch mir in meinem Schreiben wichtig. Auch weil du eine unerschütterliche Weltverbesserin bist, verliere ich nicht den Glauben daran, dass Worte bewegen können: Herzen und Verhältnisse.
Dass du auch zu lesen vermagst, was ich nicht schreibe, bedeutet mir viel. Literatur zu erfahren als Teil meines Wesens – auf diesem Weg begleitest du mich auch als gute Freundin.

Liebe Ilona, lieber Jim. Nicht nur ich sage: Danke.

Inge Nowak und alle anderen, denen ihr zwischen zwei Buchdeckeln ein Zuhause gegeben habt, tun es auch.

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Corinna Waffender ist in Mainz geboren und lebt vorwiegend in Berlin. Sie hat Hispanistik und Sozialwissenschaften studiert, ist Mediatorin und Tanztherapeutin. Für ihre Texte wurde die Autorin mehrfach literarisch ausgezeichnet. Im Querverlag sind bisher acht Romane von ihr erschienen, zuletzt „Ausgerechnet sie“.

Links
Website
Autorinnen-Seite des Querverlags
Wikipedia-Eintrag

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