Paris – Berlin

von Heny Ruttkay //

Ich gestehe: Schon beim Schreiben des ersten Kapitels von „Gestohlene Tage“ war ich überzeugt, dass der Querverlag der einzig Richtige für diesen Roman war. Natürlich hatte ich das Manuskript vorsichtshalber auch an zwei, drei andere Verlage geschickt, aber ich fürchtete fast, dass mir einer von ihnen zusagen könnte; es musste der Querverlag sein.

Als dann Ilona und Jim mir mitteilten, dass sie sich für die Veröffentlichung entschieden hatten, war ich selig, aber gleichzeitig wunderbar ruhig, wie nach der Erfüllung einer Vorhersage.

Es wäre aber gut, wenn wir uns auch persönlich treffen könnten.“

Eigentlich versteht es sich von selbst, dass ein Verlag seine Autoren persönlich kennt. Es ist aber nicht so selbstverständlich, wenn der Verlag sich in Berlin befindet und die Autorin in Paris lebt und so nebenbei auch noch einer lukrativeren Arbeit als dem Schreiben nachgeht.

Kurzentschlossen kaufte ich ein Flugticket Paris – Berlin, Abflug frühmorgens, Rückflug am gleichen Abend. Es wurde ein arbeitsreicher und denkwürdiger Tag. Man sagt, der erste Eindruck trügt nicht. Nun, ich mochte Ilona und Jim auf den ersten Blick und hatte gleichzeitig den Eindruck, die beiden schon seit Jahren zu kennen.

Unser erstes Treffen: Jims Geduld und Gründlichkeit, während wir am Manuskript zusammenarbeiteten. Seine Fragen: „Warum ist er/sie von ihm/ihr so besessen?“ „Warum flieht er nicht auch nach Paris?“ „Warum schmeißen die beiden diesen Kerl nicht raus?“ Meine Hauptfiguren saßen zwischen uns am Tisch und wurden wieder so lebendig, wie während des Schreibens und ich entdeckte Seiten an ihnen, die mit bisher verborgen geblieben waren.

Ilonas unschuldsvoller, blauer Blick, als sie mich fragte, ob ich auch einen Krimi auf Lager hätte. Die Entdeckung, dass sie genauso eine Hundenärrin war wie ich und aus Süddeutschland stammte.

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Foto (c) Marie Hélène Goix

Unser zweites Treffen: Jim, der mit einem Strohhut – ganz und gar im 20-er Jahre-Stil – zur Stadtführung kam, während der wir die Lesung veranstalteten. Ilonas ausdrucksvolle Stimme, als sie bei über 30°C im Schatten aus „Gestohlene Tage“ vorlas und mit Leichtigkeit den Straßenlärm zum Schweigen brachte. 

Ich finde es schade, dass uns fast tausend Kilometer trennen, dass ich nicht ab und zu an die Tür klopfen und beim Verlag vorbeischauen kann, um mit den beiden Kaffee zu trinken. Aber ich bin überzeugt, dass sich im Laufe der nächsten 20 Jahre wieder eine Gelegenheit ergibt, um mit Ilona und Jim an einem Projekt zu arbeiten.

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Heny Ruttkay, geboren 1961 in der Slowakei, ist im Alter von elf Jahren nach Deutschland gezogen. Nach dem Abitur in Böblingen hat sie in Erlangen, Tübingen, München und Paris Biologie (Doktorat) studiert. Nach mehrmaligem Berufswechsel arbeitet sie heute im Bereich Export in Paris. Gestohlene Tage erschien 2013, gefolgt im Jahr 2014 von ihrem Kriminalroman Fatale Treue (beide im Querverlag).

Links
Website

Autorinnenseite vom Querverlag

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