Wie warme Schrippen …

Ein Messerückblick von Jim Baker //

IMG_2874Nach 22 Leipziger Buchmessen kann ich mich nicht dran erinnern, dass man mir in all den Jahren je die Bücher förmlich aus den Händen gerissen hat. Als Nischenverlag sprechen wir nun mal einen eher erlesenen Kreis von Buchmenschen an; wir präsentieren ansonsten artig unsere Neuerscheinungen, reden mit Kund_innen, informieren sie über unsere Titel und Autor_innen, stehen stundenlang am Stand herum.

Dieses Jahr bin ich jedoch eines Besseren belehrt worden.

Und ich bin begeistert.

IMG_2876Es geht dabei um den Sammelband Beißreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten, den die Polittunte Patsy l’Amour laLove am 1. März bei uns herausgegeben hat. Und selbstverständlich war es für mich als Verleger eine schöne Bestätigung, dass so viele Menschen das Buch haben wollten, doch umso mehr freute ich mich über das Interesse an kritischen Diskussionen, die Begeisterung für einen Austausch von Ideen, über die Neugier, sich mit provokanten, ja sogar unliebsamen Thesen auseinanderzusetzen. Über die Bereitschaft, sich mit politischen Debatten wie z.B. mit dem queeren Aktivismus theoretisch zu beschäftigen. Und bei all den Sonntagsbesucher_innen, die bei mir am Stand das Buch erwerben wollten, möchte ich mich entschuldigen, dass ich das eine letzte Ansichtsexemplar doch nicht hergeben wollte.

beissreflexeAls ich dann am Samstag davor zu der Buchpräsentation ging und die Massen sah, die vor dem Eingang des linksalternativen Kulturzentrums Conne Island Schlange standen, erreichten mein Erstaunen und meine Begeisterung einen neuen Höhepunkt. Laut Aussage der Clubbetreiberin Tanja waren „locker über 300 Leute“ gekommen, um den Diskutierenden (Koschka Linkerhand, Frederik Schindler und Patsy l’Amour laLove, unter der Moderation der Jungle-World-Mitgeschäftsführerin Irene Eidinger) fast drei Stunden lang zu lauschen, kritischen Anmerkungen beizusteuern, reflektierte Fragen zu stellen und sich mit unterschiedlichen Aspekten des queeren Aktivismus auseinanderzusetzen. Und mir fiel auf: Es waren etliche interessierte linke Heteros anwesend – ein Publikum, das wir ja als lesbisch-schwuler Buchverlag eher selten erreichen, was mich jedoch umso mehr umhaute und mich von der politischen Notwendigkeit solcher Streitschriften überzeugte.

Und dass mein Büchertisch am Ende der Veranstaltung leer gekauft wurde, war für mich ja das Sahnehäubchen auf der sprichwörtlichen Torte – auch wenn das Gerangel um das letzte verbliebene Exemplar mir dann doch etwas peinlich war.

Daher an dieser Stelle ein warmes und herzliches Dankeschön an die Leipziger_innen für eine der besten Buchmessen, die ich in meiner langen Karriere erleben durfte.

Und zum Schluss die schöne Nachricht: Die zweite Auflage der Beißreflexe wird am 20. April ausgeliefert.

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