Mein Verleger hat Angst vor mir

von Felix Haß //

Ich fühle mich ja manchmal ein wenig wie das Schmuddelkind des Querverlages. Und dann ist der Querverlag ja selbst ein Schmuddelkind – jedenfalls wenn man die von Jim aufgeführten „Argumente“ liest, warum manche Buchhändler Bücher des Verlages nicht auf den Ladentisch legen.

Meine Mutter, die ihren Freundinnen und Freunden vor dem Erscheinen meines ersten Krimis Angst ist stärker als der Tod von den literarischen Ambitionen ihres Sohnes vorgeschwärmt hatte, war jedenfalls recht still geworden, nachdem sie das Buch gelesen hatte – mein Kommissar Steffen Lenz ist ja tatsächlich kein in der Wolle gefärbter Tugendbold.

Die Überlegungen, den guten Mann auf anständigeren Pfaden wandeln zu lassen, scheiterten dann allerdings früh. Und ich hatte ja auch nicht die volle Kontrolle: Ich schreibe immer morgens gleich nach dem Aufstehen, wenn der Kopf noch nicht ganz wach ist und das ständig nörgelnde kritische Bewusstsein nicht voll auf der Höhe. Wenn das rationale Denken zu faul ist, dem kreativen Fluss ständig auf die Finger zu klopfen, weil ihm nichts gut genug ist. Natürlich korrigiere ich später und in wacherem Zustand alles gründlich und werfe viel weg, ergänze und korrigiere. Selbstredend setzt diese Art zu arbeiten voraus, dass ich vorher ein sehr klares und durchdachtes Konzept entworfen habe – gerade beim Krimi.

felix haß querverlag 01Jedenfalls ist es geschehen, dass Steffen auch in seinem zweiten Fall immer noch nicht erwachsen geworden ist. Er ermittelt in leichtem Ton in stillen, tiefen und teils stürmischen Wassern. Nachdem Jim es zum ersten Mal gelesen hatte, waren seine ersten Worte: „Felix, ich habe Angst vor dir.“ Das verstehe ich gut und es freut mich. Ilona ist da stabiler – bis jetzt. Mal sehen, was sie zu Steffens nächstem Fall sagen wird.

Hier kommt jedenfalls erst mal Sein letzter Schritt. Ich hoffe, das Buch findet Leserinnen und Leser, denen es gefällt, und ich hoffe, meine beste Freundin stellt es, wie das erste, so hoch ins Bücherregal, dass ihre Kinder es nicht erreichen können.

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Felix Haß wurde 1971 in München geboren. Nach dem Abitur studierte er dort an der Hochschule für Fernsehen und Film. 1995 zog er nach Berlin, wo er als Drehbuch-Lektor und Cutter arbeitete. Sein Abschlussfilm „Flirt“ gewann auf dem Filmfestival in Hof den Preis für das beste Szenenbild. Nach dem Abschluss an der HFF verfasste er mehrere Jahre lang Drehbücher für eine ZDF-Krimi-Serie, bis er sich entschloss, lieber Kriminalromane zu schreiben. Sein erster Krimi Angst ist stärker als der Tod erschien 2015 im Querverlag. Sein letzter Schritt folgte 2017. Felix Haß lebt mit seinem Ehemann in Berlin.

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