Kampftrinker

Ein Messerückblick von Jim Baker //

Mich hat noch nie jemand „Kampftrinker“ genannt. Nach maximal drei Bier ist bei mir normalerweise schon Ende der Fahnenstange, denn entweder schlafe ich ein oder muss andauernd aufs Klo, was dann doch den Trinkgenuss etwas dämpft.
Eine Buchmesse gibt allerdings besondere Parameter vor, setzt gewöhnliche Gesetze außer Kraft, animiert ja förmlich zum Saufen, lädt buchstäblich an jeder Ecke dazu ein.

Fatal auf der diesjährigen Buchmesse erwies sich der Stand von „Hendrick’s Gin“, keine zwanzig Meter von unserem Stand entfernt und leider auf dem Weg zur Herrentoilette in der Halle 4. Ließ man sich von der äußerst adrett gekleideten jungen Frau einen Getränkebon in die Hand drücken, durfte man an den Tresen gehen und sich von einem nicht minder adretten Hipster mit Schiebermütze, Hosenträgern, Fliege und Bart einen Gin-Tonic samt Gurkenscheibe kostenfrei mixen.

Ich war jeden Messetag dort Gast.

querverlag_kampftrinker

Ab 14 Uhr findet dann immer irgendwo in unmittelbarer Nähe einer der vielen Sektempfänge statt, die sich dann locker bis zum Messeschluss um 18.30 Uhr erstrecken können und häufiger sogar längst darüber hinaus. Zum Glück vertrage ich keinen Prosecco, doch leider wissen das inzwischen viele Kolleg_innen, die es natürlich gut mit mir meinen – immerhin war es dieses Jahr meine dreißigste Frankfurter Buchmesse –, und haben immer eine Alternative für mich parat.
Wer könnte zu so einem netten und zuvorkommenden Angebot schon Nein sagen? Wäre doch unhöflich.

Dazu kommen natürlich die kleinen Geschenke. Unsere Autorin aus der Schweiz, Inge Lütt, die uns gern auf Messen durch freiwilligen Standdienst unterstützt, kredenzte jeden Nachmittag kleine, braune Fläschchen mit Appenzeller-Likör („zum Verdauen“). Unsere Salzburger Autorin Helmi Schausberger überreichte mir – passend zu ihrem soeben erschienenen Krimi Mord auf Irisch – eine Flasche irischen Whiskys (lecker).

Und dann – als wären all diese schönen Zeichen der Aufmerksamkeit, der Zuneigung und des Danks nicht genug, befand sich in unserem Gang der Orbanism Space, gesponsert ausgerechnet von Warsteiner. Die freundlichen Mitarbeiter_innen des benachbarten Standes des Ylva-Verlags – allen voran Sam (danke, Sam!) – tauchten in regelmäßigen Abständen bei uns am Stand auf, zufällig mit einer Flasche zu viel. Komisch.

Dass ich dann abends mit Marc Lippuner von den Kulturfritzen, der ebenfalls unseren Stand mit seinem erfrischenden Esprit, beeindruckenden Wissen sowie modischen Kleidungsstil jeden Tag bereicherte, ins Restaurant bzw. zu Verlagsempfängen weitergezogen bin – man muss ja schließlich was Herzhaftes essen –, soll dann nur als Randnotiz vermerkt werden.

Unseren inzwischen zur Tradition gewordenen Lesbisch-Schwulen Sektempfang am Messedonnerstag mit über 100 Gästen erwähne ich an dieser Stelle nur als Beweis, dass ich durchaus auch an die Trinkbedürfnisse anderer gedacht habe, wobei ich mich bei den Kollegen von Löwenherz, Eisenherz und Männerschwarm für ihre großzügige Unterstützung beim Bereitstellen der Sektkisten bedanken möchte.

Doch jetzt ist der Alltag wieder eingekehrt und ich sitze wie gewöhnlich im Verlag am Schreibtisch – mit einer Tasse Kräutertee.

Ob irischer Whiskey dazu passt?

//

Jim Baker ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Querverlags.

//

Nachtrag von Marc Lippuner:

Nicht unerwähnt sollte der stetige Kaffeekonsum bleiben. Wer das Wasser für die Kaffeemaschine des Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlags holte, durfte den Rest des Tages mittrinken. Auch der Kaffee am Stand der taz, der gegen eine freiwillige Spende aus dem Vollautomaten lief, stand hoch im Kurs, besonders bei unseren Nachbarinnen vom Ylva-Verlag.

Ich persönlich freute mich auch sehr, wenn unsere österreichischen Standbesucher_innen mich an den Messestand der Wirtschaftskammer mitnahmen, denn den Fachbesucher_innen aus der Alpenrepublik und ihren Gästen wurden dort kostenfrei köstliche Kaffeespezialitäten offeriert, Mozartkugeln inklusive.

//

Advertisements

Eine Antwort zu “Kampftrinker

  1. Pingback: 10 Gründe, die Buchmesse zu lieben (oder auch nicht) |·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s