Mein Weg zum Mord

von Helmi Schausberger //

Von Anfang an ist mir klar, dass das aktuelle Romanprojekt nicht in der sprichwörtlichen Schublade landen darf, sondern gelesen werden soll. Und ich werde den Roman nicht selbst veröffentlichen, ich will mir damit endlich den Traum eines Verlagsvertrages erfüllen. Irgendwo da draußen wird es einen Verlag geben, der mir eine Chance gibt und mich damit endlich in dem bestätigt, was ich am liebsten tue.
Aber dazu muss das Buch verkaufbar sein, weiß ich. Für welche Bücher gibt es einen Markt? Zum Beispiel für Krimis. Gute Idee, sage ich mir, schreibst du halt einen Krimi. Den musst du dann aber ordentlich plotten, das solltest du ohnehin lernen. Eigentlich wollte ich nie Krimis schreiben, davon gibt’s doch genügend, aber der nächste Roman wird nun trotzdem einer werden, und er wird mir auch Spaß machen. Und handeln wird er in Irland, damit ich mich wenigstens gedanklich regelmäßig in das Land meiner Träume zurückziehen kann, wenn es schon anders nicht so oft möglich ist, wie ich das gerne hätte. Und dann braucht dieser Krimi noch eine Liebesgeschichte mit Happy End. Auch Liebesgeschichten wollte ich nie schreiben, aber meine eigene geht gerade den Bach runter und frau gönnt sich ja sonst nix. Ob es schließlich bei dem Happy End bleiben wird, sei jetzt mal dahingestellt. Die Hauptfiguren müssen weiblich sein, bestimme ich, sämtliche Charaktere lebendig und glaubhaft, und die Lesenden dürfen das Buch nicht aus der Hand legen wollen. Außerdem möchte ich sie gelegentlich zum Lachen bringen. Das werde ich doch wohl alles hinkriegen, das ist ja machbar, sage ich mir.

Und damit verbringe ich dann jahrelang meine Wochenenden. Ja, jahrelang. Und das sind durchaus lustvolle Wochenenden. Aus Romanprojekt wird irgendwann Tausend weiße Flügel, und aus „Schreiben“ wird „Überarbeiten“.

Vor drei Jahren trete ich mit den Flügeln zum ersten Mal an Verlage heran. Querverlag will prüfen, Ylva sagt gleich mal ab, Milena meldete sich gar nicht, aber Krug & Schadenberg fordert das Manuskript an – und sagt dann doch ab; wenngleich auch sehr freundlich, respektvoll und lieb. Vom Querverlag habe ich dann nichts mehr gehört. Ich habe auch nicht nachgefragt.
Enttäuschung, ja, Schmerz, nein. Die Flügel sind vielleicht tatsächlich noch nicht so weit, wird mir bewusst, mach sie besser! Und zwischendurch kannst du ja dein um die Jahrtausendwende geschriebenes Mädchenbuch als Selfpublisherin herausbringen, anders hat es keine Chance und du musst damit außerdem endlich abschließen.

2015: Die letzte Heimat kommt heraus – und wird kaum gelesen. Das ist erneut Bestätigung, dass ein traditioneller Verlag für mich sinnvoll ist: Lektorat, Kontakte, Werbung … alles nicht zu verachten.

2017: Operation Bring den Krimi an die Frau #2 beginnt. Ich schreibe dieses Mal nicht nur Verlage, sondern auch Agenturen an, mit Exposé, Textprobe, Klappentexten.

3Unterlagen

Erträumen tue ich mir mindestens drei Manuskriptanforderungen und einen Verlagsvertrag. Aber zufrieden wäre ich schon mit einer Manuskriptanforderung und einem Agenturverlag.
Es werden schließlich tatsächlich drei Manuskriptanforderungen – und zwei Vertragsangebote (eine Agentur, ein Verlag). Der Querverlag, der drei Jahre zuvor schon prüfen wollte, riskiert nun diese Investition in eine unbekannte Autorin. Aus Tausend weiße Flügel wird Mord auf Irisch. Und aus mir wird eine sehr dankbare und stolze Autorin, deren Traum endlich in Erfüllung gegangen ist.

1Bücher

Jetzt müsst ihr alle Mord auf Irisch auch noch lesen und euch dabei gut unterhalten fühlen, dann wird mein langer Weg zum Mord auch für euch eine lohnenswerte Reise gewesen sein.

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2KuchenmordHelmi Schausberger wurde in Salzburg zurzeit von Woodstock und Stonewall geboren. Während sie sich beruflich von Schubladen fernhalten konnte, begleitet das Schreiben sie als große Konstante bereits ihr ganzes Leben. Die Autorin versteht sich als Erzählerin, die in erster Linie unterhalten möchte. Aber es gibt auch Themen, die sie beschäftigen, und die finden sich zum Teil auch in ihren Geschichten wieder. Ihren ersten Roman Die letzte Heimat, ein feministisch-fantastisches Mädchenabenteuer, hat sie 2015 selbst herausgebracht. Mord auf Irisch ist ihre erste Veröffentlichung im Querverlag.

Links:
Website von Helmi Schausberger
Autorinnenseite vom Querverlag

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