Der Ehren-Stöckel der TfD für den Querverlag

IMG_6373Am 11. August verlieh die Initiative Travestie für Deutschland im BKA-Theater anlässlich ihres zweijährigen Bestehens fünf Ehren-Stöckel für queere „Helden der Stadt“. Neben Kultursenator Klaus Lederer, Entertainer Ralph Morgenstern, dem Theaterstück Ugly Duckling von Bastian Kraft und dem Dokumentarfilm Queer Lives Matter des 25-jährigen Regisseurs Markus Kowalski erhielt auch der Querverlag die Auszeichnung. „Mit dem roten Ehren-Stöckel verneigen wir uns vor Ilona & Jim, ihrer publizistischen Lebensleistung und ihrer gigantischen LGBTIQ*-Bibliothek“, begründete die TfD ihre Entscheidung. Die Laudatio hielt unsere Autorin Stephanie Kuhnen. Wir freuen uns, ihre herzlichen Worte hier veröffentlichen zu dürfen.

Stöckel Querverlag Schlönske Bubeck Baker Schroeder

Margot Schlönske, Ilona Bubeck, Jim Baker, Edith Schröder (v.l.n.r.) bei der Dankesrede

Lieber Jim, liebe Ilona, liebe Ilona, lieber Jim, mit und ohne Sternchen,
dabei fällt mir ein, dass ich euch nie nach euren Pronomen gefragt habe. So lange kenne ich euch schon! Für mich und für viele eure Autor*innen seid Ihr Jim und Ilona, quasi zwei eigene Genderkategorien.
Ich halte mich so lange mit der Anrede auf, damit heute ausnahmsweise mal nicht wieder geschimpft und getwittert wird, dass eine Person* nicht gleichberechtigt genannt wurde. Irgendjemand kritisiert ja immer, aber das kennt ihr ja.

Ohne Reibung keine Wärme. Und genau das seid ihr: die Reibung und die Wärme!
Da spreche ich nicht nur aus der Perspektive einer Autorin über das persönliche Verhältnis zu ihren Verleger/innen.
Ich kann mich gut erinnern, welchen Furor es Mitte der 90er gab, als eine lesbische Verlegerin und ein schwuler Verleger zusammen einen lesbisch-schwulen oder schwul-lesbischen Verlag gründeten. Und damit nicht nur ihre beruflichen Kompetenzen, sondern ihre unterschiedlichen Bewegungserfahrungen zusammenlegten. Was hätten wir da alles in den Sozialen Medien gelesen!
Dabei habt ihr, liebe Ilona, lieber Jim, den einzig konsequenten Schritt gemacht: Raus aus der Komfortzone der Selbstbestätigung und rein in die Debatten, die zu oft gar nicht oder gegeneinander und immer zu wenig miteinander geführt wurden und werden. Und rein in die Debatten, die auch unbequem sind, weil sie etwas verändern und im günstigsten Fall etwas verbessern. Aber immer ist da Entwicklung und niemals Bestandsschutz. Gesellschafts-verändernde Debatten sind eben keine Ansammlung von Likes oder eine immerwährende Bestätigung des eigenen Vorwissens, sondern ein sich einlassen müssen auf Neues, auf neue Perspektiven, auf neue Informationen. Damit dies nicht zu einem wahllosen Anything-goes wird, muss es auch in der mühseligen Arbeit ohne Vorbilder gewisse Grundabmachungen geben. Und diese hält der Querverlag ein, ohne dabei in Definitionen absolutistisch zu sein. Ihr gebt eben auch Raum, die Definitionen selbst an ihren Widersprüchlichkeiten zu hinterfragen. Zu diesen Abmachungen gehört deutlich gegen Sexismus und Rassismus, gegen rechts und vor allem feministisch zu sein.
Und da ist der Querverlag leider noch ziemlich alleinstehend: das Programm ist quotiert. Auch wenn sich sogenannte Lesbentitel weniger verkaufen. Denn dem Querverlag geht es nicht um die Rentabilität im Finanziellen – auch wenn ich euch und uns Autor*innen von Herzen satte Konten wünsche – sondern um das Abbilden einer Gegenwart und das Formulieren einer Zukunft der LSBTTIQ* – Community.
Und deswegen sind wir heute nicht dort, wo euer Programm seinen Anfang genommen hat, sondern weiter. Es sind in der Belletristik wie im Sachbuch so viele Perspektiven und Erfahrungswelten hinzugekommen, so viele neue und aktuelle Debatten durch Text und Literatur begleitet, dass wir uns alle glücklich schätzen können, dass ihr all die Jahre euch treu geblieben seid und durchgehalten habt und noch lange nicht ans Aufgeben denkt.
Keines eurer Bücher hatte jemals das letzte Wort und jedes Buch hat mehr Bücher möglich gemacht, hat mehr Autor*innen möglich gemacht.

Lieber Querverlag, lieber Jim, liebe Ilona, ich freue mich heute sehr darüber, euch diese Lobrede halten zu dürfen. Wir kennen uns ja jetzt seit 23 Jahren, ihr habt mich gewissermaßen ausgebrütet. Umso mehr freue ich mich für uns alle hier, dass ihr in diesem Jahr so viel Wertschätzung aus der Community erhaltet.
Wir verdanken euch so viel und wollen euch in Zukunft noch dankbarer sein!
Das heißt: wir wollen mehr!
Ich wünsche euch viel Kraft und Umsatz dafür!
Und alle anderen: kauft Bücher aus dem Querverlag!
Danke!

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