Spuren hinterlassen, die gelesen werden können

Vier Fragen an Dennis Stephan, Autor des Romans Und in mir ein Ozean, der kürzlich im Querverlag erschienen ist. 

Und in mir ein Ozean 05 © Dennis Stephan

Warum schreibst Du?

Zum einen, weil ich nicht singen kann – andernfalls würde ich vermutlich Platten mit Florence Welch und Justin Vernon aufnehmen und mir alle traurigen Geschichten von der Seele seufzen. Also hab angefangen, sie niederzuschreiben. Ich möchte Spuren hinterlassen, die gelesen werden können. Folgt man der Fährte bis zum Ende, weiß man alles über mich, oder über sich selbst.

Und in mir ein Ozean 01 © Dennis StephanUnd in mir ein Ozean 02 © Dennis Stephan

Was macht die Hauptfigur Arthur so besonders?

Arthur ist eins mit der Welt oder besser gesagt mit seiner jeweiligen Umgebung. Er hat noch einen sehr guten Zugang zu all den Geschichten des Alltags, die für die meisten von uns unsichtbar sind, weil wir verlernt haben, genau hinzusehen. Das liegt zum einen in seinem Naturell, ist aber auch seiner Erziehung geschuldet. Und obwohl er so feine Antennen für das Feinstoffliche hat, verliert er mit dem Älterwerden den Zugang zu sich selbst. Dieses Schicksal teilt Arthur vermutlich mit den meisten Menschen heute. Wie die Helden der Antike muss er erst auf Reisen gehen, um am Ende bei sich selbst anzukommen.

Was bedeutet Dir das Meer?

Ich persönlich verbinde das Meer mit Ferne. Ich komme aus Berlin, daher war ein Ausflug ans Meer immer mit einer Reise von mindestens einigen Autostunden verbunden. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist es für mich ein Mysterium mit großem Symbolcharakter. Das Meer ist das weiblichste der vier Elemente. Alles Leben auf unserem Planeten kommt ursprünglich aus dem Ozean, wie auch jeder Mensch von einer Frau geboren wird. Und nach all den Jahrmillionen der Evolution, entspricht die Zusammensetzung der Flüssigkeit zwischen unseren Zellen noch immer der von Meerwasser. Mystisch, oder?

Und in mir ein Ozean 03 © Dennis StephanUnd in mir ein Ozean 04 © Dennis Stephan

Ist Dein Roman ein Novemberbuch?

Eine Leserin hat mich kürzlich darauf hingewiesen, dass dieser Monat überdurchschnittlich oft in meiner Geschichte erwähnt würde. Das war mir selbst gar nicht bewusst, aber es ergibt Sinn. Für unsere Vorfahren galt die Zeit zwischen Oktober und November als Zeit des Übergangs. Das Alte muss sterben, damit etwas Neues geboren werden kann. Unter dem Dach Arthurs heidnischer Mutter sind diese alten Traditionen noch lebendig. Für mich ist der November ein sehr melancholischer, aber auch hoffungsvoller Monat. Er steht für den Neubeginn. Man könnte also sagen, er repräsentiert den Roman wie kein anderer, denn auch in der Geschichte geht es um einen Übergang, eine Reifung oder ein Erwachsenwerden in jeglicher Hinsicht.

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DennisStephan(c)privatDennis Stephan wurde 1989 in Berlin geboren und ist damit Teil einer Generation, die immer auf der Suche ist nach sich selbst, einander und dem Etwas, das alles verbindet. Er studierte Journalistik in Magdeburg und arbeitet heute als freier Journalist, Werbetexter und Autor. Sein Debütroman Der Klub der Ungeliebten erschien 2013. Und in mir ein Ozean ist seine erste Publikation im Querverlag.

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Fotos und Textafeln © Dennis Stephan

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